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Zuletzt geprüft 30. Mai 2026

Dynamisches Auswuchten von A bis Z: Der vollständige Leitfaden zur Beseitigung von Schwingungen und Unwucht

Jedes Jahr werden bis zu 30 % der Ausfälle von Industrieanlagen durch Schwingungen verursacht. In 9 von 10 Fällen ist die eigentliche Ursache eine Rotorunwucht. Sie ist ein unsichtbarer Feind, der die Maschinen von innen heraus langsam, aber sicher zerstört: von vorzeitigem Lagerverschleiß bis hin zu katastrophalen Ausfällen und ungeplanten Stillständen.

Unwucht ist kein geringfügiger Defekt, sondern eine ernsthafte Bedrohung für jede rotierende Anlage. Das Ignorieren des Problems führt zu verheerenden Folgen: bis zu 80 % der Lagerausfälle werden durch Unwucht oder Ausrichtungsfehler verursacht, der Mehrverbrauch an elektrischer Energie kann 10–25 % betragen, und die Kosten ungeplanter Notfallstillstände belaufen sich auf hunderttausende Euro.

Was Sie aus diesem Leitfaden lernen werden:

  • Die physikalischen Grundlagen der Unwucht und warum sie entsteht
  • Die Arten der Unwucht und wie jede einzelne korrigiert wird
  • Wann und warum Auswuchten notwendig ist
  • Moderne Auswuchtmethoden und -geräte
  • Wuchtgütegrade und ISO-Normen
  • Die wirtschaftliche Betrachtung rechtzeitigen Auswuchtens
  • Wie man einen Auswuchtdienst richtig beauftragt

Kapitel 1: Was ist Unwucht – die Wurzel des Problems?

Eine einfache Erklärung

Unwucht (oder Unbalance) ist ein Zustand, bei dem die Masse eines rotierenden Teils in Bezug auf die Drehachse ungleichmäßig verteilt ist. Einfacher ausgedrückt: Der Massenmittelpunkt des Rotors fällt nicht mit seiner geometrischen Achse zusammen.

Eine alltägliche Analogie: Denken Sie daran, wie eine Waschmaschine beim Schleudern „hüpft", wenn sich die Wäsche auf einer Seite ansammelt. Oder wie das Lenkrad eines Autos bei höherer Geschwindigkeit zittert, wenn ein Rad nach einem Reifenwechsel nicht ausgewuchtet wurde. In beiden Fällen ist die ungleichmäßige Massenverteilung um die Drehachse die Ursache. Genau dasselbe geschieht bei Industrierotoren – das Metall ist an einer Stelle schwerer, und beim Drehen entsteht ein Schlag.

Diagramm eines Rotors und der Fliehkräfte bei Unwucht

Abb. 1. Rotor und Fliehkräfte: Bei einem perfekt ausgewuchteten Rotor heben sich die Kräfte F1 und F2 gegenseitig auf, aber eine asymmetrische Masse (rot) erzeugt die nicht ausgeglichene Kraft F3

Die Unwuchtkraft in der Praxis: Eine Unwucht von nur 10 Gramm an einem Lüfterrotor mit 1 Meter Durchmesser, der mit 1.500 U/min dreht, erzeugt eine Wechselkraft von etwa 12,5 kp! Es ist so, als ob ein 12,5 kg schwerer Hammer die Lager 25 Mal pro Sekunde trifft.

Im Idealfall sollte die Masse eines Rotors symmetrisch um die Drehachse verteilt sein. Die beim Drehen entstehenden Fliehkräfte heben sich dann gegenseitig auf und es entstehen praktisch keine Schwingungen. Sobald jedoch auch nur eine kleine Asymmetrie auftritt (ungleichmäßiger Verschleiß, Schmutzablagerungen, ein Fertigungsfehler), entsteht beim Drehen eine nicht ausgeglichene Fliehkraft, die Schwingungen verursacht.

Arten der Unwucht

Unwucht kann verschiedene Formen annehmen. Es werden drei Grundtypen unterschieden:

Statische Unwucht (einebig)

Diese tritt auf, wenn der Massenmittelpunkt des Rotors parallel zur Drehachse verschoben ist. Man kann sie sich als eine einzelne „schwere Stelle" am Rotor vorstellen. Selbst im Stillstand, auf horizontalen Auflagen abgelegt, dreht sich ein solcher Rotor immer so, dass die schwere Seite unten liegt.

Diagramm der statischen Rotorunwucht

Abb. 2. Statische Unwucht: Die „schwere Stelle" dreht sich durch die Schwerkraft immer nach unten

Statische Unwucht ist typisch für schmale, scheibenförmige Rotoren (Schleifscheiben, schmale Riemenscheiben, schmale Lüfterräder). Sie ist relativ einfach zu korrigieren – durch Anbringen eines einzelnen Ausgleichsgewichts in einer Ebene, diametral gegenüber der „schweren Stelle".

Momentenunwucht (Kreiselmoment-Unwucht)

Ein komplexerer Fall. Sie entsteht, wenn zwei gleich große Unwuchtmassen in verschiedenen Ebenen entlang der Rotorlänge sitzen und um 180° versetzt sind. Im Stillstand ist ein solcher Rotor ausgewuchtet – er hat keine einzelne „schwere Stelle" und dreht sich nicht von selbst.

Beim Drehen jedoch erzeugen diese beiden Massen ein Kräftepaar (ein Moment), das den Rotor zum „Taumeln" oder „Kippen" bringt. Zur Korrektur der Momentenunwucht ist eine Massenkorrektur in mindestens zwei Ebenen erforderlich.

Diagramm der dynamischen Unwucht mit einem Kräftepaar

Abb. 3. Dynamische (Momenten-)Rotorunwucht: Die ungleichen Massen M1 und M2 erzeugen ein Kräftepaar F1 und F2, das den Rotor zum „Taumeln" bringt

Dynamische Unwucht

Dies ist der allgemeinste und in der Praxis häufigste Fall. Dynamische Unwucht ist eine Kombination aus statischer Unwucht und Momentenunwucht. Sie zeigt sich nur während der Rotation und ist die Hauptursache für Schwingungen bei den meisten Industrierotoren.

Die Korrektur dynamischer Unwucht erfordert stets eine Massenkorrektur in mindestens zwei Ebenen (Zweiebenen-Auswuchten). Deshalb wird das professionelle dynamische Auswuchten mit Spezialgeräten durchgeführt, die Schwingungen an mehreren Punkten gleichzeitig messen können.

Die Ursachen der Unwucht

Unwucht kann entweder „inhärent" (Fertigungsfehler) oder während des Betriebs „erworben" sein. Das Verständnis der Ursachen hilft nicht nur, die vorhandene Unwucht zu korrigieren, sondern auch zu verhindern, dass sie zurückkehrt.

Fertigungsbedingte (inhärente) Fehler

Diese entstehen in der Produktionsphase eines Bauteils:

  • Ungenauigkeiten beim Gießen oder Zerspanen: ungleichmäßige Wandstärken, versetzte Bohrungen, Drehabweichungen
  • Inhomogenität des Werkstoffs: Porosität in Gussteilen, Einschlüsse und Hohlräume im Metall erzeugen eine ungleichmäßige Dichteverteilung
  • Montagefehler: Wenn ein Rotor aus mehreren Teilen (Scheiben, Schaufeln, Nabe) zusammengebaut wird, addieren sich die Toleranzen und erzeugen Unwucht

Bei der Inbetriebnahme von Anlagen besteht das Risiko einer „inhärenten" Unwucht durch Fertigungsfehler. Aus diesem Grund sollten kritische Anlagen (Pumpen- und Lüfterrotoren, Kurbelwellen) vor der Montage oder unmittelbar nach der Montage ausgewuchtet werden.

Betriebsbedingte (erworbene) Fehler

Diese entstehen während des Betriebs der Anlage und sind die häufigste Ursache für Unwucht:

  • Ungleichmäßiger Verschleiß: Arbeitsflächen verschleißen unterschiedlich schnell – Lüfterschaufeln, Brecherhämmer, Schneidmesser. Abrasiver Verschleiß, Erosion und mechanische Beschädigung erzeugen Asymmetrie
  • Verformung: eine durch Überhitzung, Aufprall oder Überlastung verbogene Welle. Lose Befestigungen, die den Rotor im Betrieb „wandern" und verformen lassen
  • Materialablagerungen: Staub, Schmutz und Prozessmaterial lagern sich auf Lüfterschaufeln ab. An Brecherrotoren klebt das zu verarbeitende Material an. Selbst eine kleine, ungleichmäßige Ablagerung bei großem Radius erzeugt erhebliche Unwucht
  • Korrosion: chemische Korrosion und Tröpfchenerosion durch eindringende Flüssigkeit erzeugen Narben und einen ungleichmäßigen Masseverlust
  • Verlust von Bauteilen: Der plötzliche Verlust einer Turbinenschaufel, eines Zahns oder eines Brecherhammers führt zu einer starken, abrupten Unwucht

„Erworbene" Unwucht baut sich im Betrieb allmählich auf. Dies macht regelmäßige Schwingungsdiagnosen und planmäßige Auswuchtarbeiten zu einem unverzichtbaren Bestandteil der Instandhaltung.

Reparaturbedingte Fehler

Diese entstehen nach der Durchführung von Reparaturen:

  • Schlechte Montagequalität: falscher Einbau von Teilen, Nichtbeachten der Montageverfahren
  • Asymmetrische Befestigungen: Ersetzen einzelner Schaufeln, Schläger oder Hämmer ohne Neuauswuchten der gesamten Baugruppe
  • Schweißfehler: ungleichmäßiger Schweißauftrag, Schweißraupen unterschiedlicher Masse
  • Unsachgemäßer Einbau: der Rotor sitzt schräg auf der Welle

Jeder größere Eingriff in die Rotorkonstruktion bei Reparaturen (Teileaustausch, Schweißen, Drehen) birgt ein hohes Risiko einer „reparaturbedingten" Unwucht und macht ein anschließendes Neuauswuchten zwingend erforderlich.

Zusammenfassung: Auswuchten ist kein einmaliger Reparaturvorgang, sondern ein kontinuierlicher Prozess des Zustandsmanagements von Anlagen in jeder Phase ihres Lebenszyklus: Fertigung → Betrieb → Reparatur → erneuter Betrieb.

Die Folgen des Ignorierens von Unwucht

Das Ignorieren selbst einer kleinen Unwucht führt zu einer Kaskade zerstörerischer Folgen:

Die Gefahren der Unwucht:

  • Beschleunigter Lagerverschleiß: Bis zu 80 % der Lagerausfälle werden durch Auswucht- oder Ausrichtungsprobleme verursacht. Die Lebensdauer kann von mehreren Jahren auf wenige Monate sinken
  • Risse in der Konstruktion: Ständige Schwingungen verursachen Metallermüdung, was zu Rissen im Rahmen und Fundament sowie zum Losrütteln von Befestigungsschrauben führt
  • Mehrverbrauch elektrischer Energie von 10–25 %: Ein erheblicher Teil der Energie wird nicht für nützliche Arbeit verwendet, sondern um die Maschine „zu erschüttern"
  • Verringerte Produktqualität: Schwingungen wirken sich negativ auf den Fertigungsprozess aus
  • Notfallstillstände: Unwucht führt letztendlich zu einem plötzlichen Ausfall und zum Stillstand einer gesamten Fertigungslinie
  • Sicherheitsrisiken: erhöhter Lärm, Ermüdung der Bediener und das Risiko des Ablösens von Rotorteilen

Kapitel 2: Dynamisches Auswuchten – die moderne Lösung

Dynamisches Auswuchten ist der Prozess der Beseitigung der Unwucht eines rotierenden Teils, der bei laufendem Rotor (im Arbeitsmodus) durchgeführt wird. Im Gegensatz zum statischen Auswuchten, das ohne Rotation erfolgt, ermöglicht das dynamische Auswuchten die Korrektur sowohl der statischen Unwucht (ein verschobener Massenmittelpunkt) als auch der Momentenunwucht (eine ungleichmäßige Massenverteilung über die Rotorlänge).

So funktioniert es: 5 Schritte

Das professionelle dynamische Auswuchten erfolgt in mehreren Schritten:

  1. Schwingungsmessung: Hochempfindliche Sensoren (Beschleunigungsaufnehmer) messen Amplitude und Phase der Schwingungen an den Lagerträgern
  2. Lokalisierung der „schweren Stelle": Ein Spezialgerät (ein Schwingungsanalysator-Auswuchtgerät) analysiert das Signal und bestimmt genau, wo sich die Unwuchtmasse am Rotor befindet
  3. Berechnung der Ausgleichsgewichte: Aus den gewonnenen Daten werden Masse und Winkelposition des Ausgleichsgewichts (oder mehrerer Gewichte beim Zweiebenen-Auswuchten) automatisch berechnet
  4. Befestigen/Entfernen von Gewichten: Ausgleichsgewichte werden am Rotor befestigt (durch Schweißen oder mit Schrauben) oder umgekehrt überschüssige Masse entfernt (durch Bohren)
  5. Überprüfungsmessung: Nach dem Anbringen der Gewichte werden die Schwingungen erneut gemessen, um zu bestätigen, dass der Pegel auf ein zulässiges Maß reduziert wurde
Diagramm des Zweiebenen-Dynamikauswuchtens

Abb. 4. Auswuchtschema: Schwingungssensoren sind an den Lagern in den Punkten 1 und 2 montiert, und Ausgleichsgewichte werden in den beiden Ausgleichsebenen angebracht

Ein wichtiger Punkt: Unwucht ist nur eine der möglichen Ursachen für Schwingungen. Wenn die Schwingungen einer Maschine tatsächlich durch eine Rotorunwucht verursacht werden, löst das Auswuchten das Problem. Wenn nicht, sind andere Maßnahmen erforderlich: Lagerreparatur, Wellenausrichtung, Befestigungen anziehen usw. Deshalb führen Fachleute in der Regel zunächst eine vorläufige Schwingungsdiagnose durch, um zu bestätigen, dass die erhöhten Schwingungen tatsächlich mit Unwucht zusammenhängen.

Schwingungsdiagnose und Auswuchtdienstleistungen

Wir führen Schwingungsdiagnosen durch und ermitteln die Ursachen erhöhter Schwingungen bei Ihrer Anlage

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Kapitel 3: Welche Anlagen müssen ausgewuchtet werden?

Fast jede rotierende Komponente kann eine Auswuchtung erfordern. Hier sind die wichtigsten Objekte, mit denen Fachleute arbeiten:

3.1. Lüfter und Saugzuggebläse

Industrielüfter sind besonders anfällig für Unwucht. Im Betrieb lagern sich Staub, Schmutz und Prozessmaterial auf den Schaufeln des Laufrads ab und verschieben den Massenmittelpunkt. Ungleichmäßiger Schaufelflächenverschleiß, Verformung und Korrosion sind ebenfalls möglich.

Nach dem Auswuchten eines Saugzuggebläses in einem Betonfertigteilwerk wurde eine jährliche Stromeinsparung von rund 7.000 EUR erzielt und die Lagerlebensdauer stieg von 4 Monaten auf 2 Jahre.

3.2. Elektromotoren und Generatoren

Elektromotorrotoren und Generatoren gehören zu den häufigsten Auswuchtobjekten. Nach dem Neuwickeln einer Motorwicklung ist das Auswuchten des Rotors obligatorisch, da das Neuwickeln die Massenverteilung verändern kann. Selbst eine kleine Unwucht bei hoher Drehzahl (3.000 U/min) erzeugt erhebliche Schwingungskräfte.

Besondere Aspekte beim Auswuchten von Elektromotoren:

  • Der Anker wird oft als Baugruppe zusammen mit dem Kollektor ausgewuchtet
  • Der erforderliche Wuchtgütegrad ist in der Regel G2,5 – G6,3
  • Nach dem Neuwickeln sind sowohl mechanische als auch magnetische Unwucht möglich
  • Für Genauigkeit wird Werkstattauswuchten bevorzugt

3.3. Pumpen und Kompressoren

Pumpenräder, Turbinenrotoren und Kompressorräder sind für viele Industrien betriebskritische Anlagen. Unwucht in einem Pumpenrad erzeugt nicht nur Schwingungen, sondern auch weitere Probleme:

  • Vorzeitiger Ausfall mechanischer Dichtungen: Schwingungen verursachen Wellenschlag, der die Dichtung zerstört und zu Leckagen führt
  • Kavitation: Instabiler Betrieb durch Schwingungen kann Kavitationseffekte verschlimmern
  • Erhöhter Lagerverschleiß: besonders kritisch bei Hochdruckpumpen

Bei der Reparatur einer Industriepumpe muss jedes Laufrad ausgewuchtet werden – in der Werkstatt (wenn ausgebaut) oder vor Ort (nach dem Zusammenbau). Oft wird ein kombinierter Ansatz verwendet: Das Laufrad wird zunächst einzeln ausgewuchtet, dann wird der vollständig zusammengebaute Pumpenrotor im montierten Zustand nachgewuchtet.

3.4. Landwirtschaftliche Maschinen

Dreschtrommeln von Mähdreschern, Strohschneidwerksrotoren, Schlegelmähwerke, Mulcherwalzen und Kreiselmäher. In der Landwirtschaft bedeutet ein Maschinenausfall mitten in der Aussaat oder Ernte nicht nur Stillstand, sondern direkte Verluste durch verlorene Ernte.

Kapitel 4: Zwei grundlegende Ansätze: in der Werkstatt oder vor Ort?

Es gibt zwei grundlegende Möglichkeiten, Auswuchtarbeiten durchzuführen, jede mit ihren eigenen Vorteilen und Einsatzgebieten.

Werkstattauswuchten (auf einer Maschine)

Der Rotor (oder die Welle oder das Rad) wird aus der Maschine ausgebaut und auf einer speziellen Auswuchtmaschine montiert. Die Maschine dreht den Rotor auf die erforderliche Drehzahl und misst die Unwucht. Moderne Auswuchtmaschinen sind computergesteuert – sie berechnen Größe und Winkelposition der erforderlichen Gewichte zur Unwuchtbeseitigung.

Vorteile: hohe Auswuchtgenauigkeit für ein einzelnes Bauteil, die Möglichkeit, begleitende Reparaturarbeiten durchzuführen (Drehen, Schweißen), und kontrollierte Werkstattbedingungen.

Nachteile: Es erfordert eine vollständige Demontage, Transport und anschließenden Wiedereinbau des Bauteils, was den Anlagenstillstand erheblich verlängert. Außerdem werden die Einflüsse gekoppelter Systeme nicht berücksichtigt: Träger, Lager und Fundament.

In-situ-Auswuchten (vor Ort)

Das Auswuchten erfolgt direkt an der Anlage des Kunden, in den eigenen Lagern, ohne den Rotor auszubauen. Mit einem tragbaren Schwingungsmesssystem und einem Lasertachometer wuchtet der Ingenieur die Einheit bei ihrer Betriebsdrehzahl aus, genau dort, wo sie installiert ist.

Vorteile: minimaler Stillstand (die Arbeiten dauern oft nur wenige Stunden) und erhebliche Einsparungen bei Demontage und Montage. Der Hauptvorteil besteht darin, dass das gesamte System als Baugruppe ausgewuchtet wird, wobei die tatsächlichen Betriebsbedingungen berücksichtigt werden.

Nachteile: Es ist ein Zugang zum Rotor erforderlich, um Ausgleichsgewichte anzubringen, und die Einheit muss mehrmals gestartet und gestoppt werden können.

Kapitel 5: Wuchtgütegrade und ISO-Normen

Die Qualität des Auswuchtens wird anhand internationaler Normen bewertet. Das wichtigste Dokument ist ISO 21940-11 (früher ISO 1940-1), das die Wuchtgütegrade (bezeichnet mit dem Buchstaben G) definiert.

Was ist ein G-Grad?

Der Grad definiert die zulässige Restunwucht nach dem Auswuchten. Je kleiner die G-Zahl, desto strenger die Genauigkeitsanforderung. Jede Anlagenart hat ihren eigenen empfohlenen Grad:

Wuchtgütegrad Anlagentyp Beispiele
G16 Grobes Auswuchten Brecher, Landmaschinen, Antriebswellen
G6,3 Standard-Industriequalität Lüfter, Pumpen, Elektromotoren
G2,5 Höhere Qualität Turbinen, Kompressoren, Werkzeugmaschinenantriebe
G1,0 Feinauswuchten Werkzeugmaschinenspindeln
G0,4 Hochpräzisions-Auswuchten Präzisionsschleifmaschinenspindeln

Kapitel 6: Warum Auswuchten eine Investition ist und keine Ausgabe

Die Kosten des Auswuchtens eines Rotors oder einer Welle sind mit den Kosten des Stillstands und der Reparaturen, die entstehen, wenn eine Anlage durch Schwingungen außer Betrieb gesetzt wird, nicht vergleichbar. Durch rechtzeitiges Auswuchten von Maschinen sparen Sie bei Lagerwechseln, Gehäusereparaturen und ungeplanten Produktionsstopps.

Direkte Einsparungen durch Auswuchten:

  • Lagerkosten um 70–80 % reduziert: Rechtzeitiges Auswuchten verlängert die Lagerlebensdauer um ein Vielfaches
  • Energieeinsparungen von 10–25 %: Ausgewuchtete Anlagen verbrauchen weniger Energie, da sie keine Energie für Schwingungen verschwenden
  • Vermeidung kostspieliger Stillstände: Ein Notfallstillstand einer Fertigungslinie kann täglich hunderttausende Euro kosten
  • Anlagenlebensdauer um das 2–3-fache erhöht: Keine Schwingungen bedeutet keine Ermüdungsschäden am Metall

Fallstudie: Betonfertigteilwerk

Anlage: Saugzuggebläse einer Kesseleinheit

Problem: Erhöhte Schwingungen, Lager wurden alle 4 Monate ausgetauscht

Lösung: Dynamisches Auswuchten des Laufrads vor Ort

Ergebnis:

  • Stromeinsparung: rund 7.000 EUR/Jahr
  • Lagerlebensdauer: von 4 Monaten auf 2 Jahre
  • ROI (Amortisation): 2 Monate

Ein professionelles Auswuchtzentrum: worauf es ankommt

Auswuchten ist nicht nur ein technischer Vorgang, sondern verantwortungsvolle Arbeit, die Können und Erfahrung erfordert. Wenn Sie es Profis anvertrauen, erhalten Sie eine Garantie für ein qualitativ hochwertiges Ergebnis.

Empfehlungen von Fachleuten zum Auswuchten

Die Befolgung dieser Empfehlungen hilft Ihnen, den maximalen Nutzen aus dem Auswuchten zu ziehen und die Betriebslebensdauer Ihrer Anlage zu verlängern.

Häufig gestellte Fragen

Wann müssen Rotoren ausgewuchtet werden?

Ein Auswuchten ist immer dann erforderlich, wenn die Schwingungspegel steigen, nach jeder Reparatur an rotierenden Teilen, nach dem Austausch von Rotorkomponenten sowie routinemäßig im Rahmen der geplanten Instandhaltung (in der Regel alle 1–2 Jahre bei betriebskritischen Anlagen).

Kann die Anlage ohne Demontage ausgewuchtet werden?

Ja. Dies wird als In-situ- oder Feldauswuchten bezeichnet. Mit tragbaren Messgeräten kann ein Spezialist den Rotor direkt an seinem Einbauort auswuchten, ohne ihn aus der Maschine auszubauen. Dieses Verfahren spart sowohl Zeit als auch die Kosten der Demontage.

Was kostet das Auswuchten?

Der Preis hängt vom Gewicht des Rotors, der Komplexität der Anlage und der Auswuchtmethode ab. Als Richtwert: kleine Rotoren (bis 100 kg) – ab EUR 150–250, mittlere (100–1000 kg) – ab EUR 250–500, große (über 1000 kg) – ab EUR 500.

Fazit: Ihre nächsten Schritte

Unwucht ist kein geringfügiger Defekt, der ignoriert werden kann, sondern eine ernsthafte Bedrohung für jede rotierende Anlage. Moderne dynamische Auswuchtmethoden, die sowohl auf stationären Maschinen als auch direkt am Betriebsort durchgeführt werden, ermöglichen es, dieses Problem effektiv zu beseitigen.

Wichtigste Erkenntnisse aus diesem Leitfaden:

  • Bis zu 30 % der Ausfälle von Industrieanlagen werden durch Schwingungen verursacht, und in 9 von 10 Fällen ist die Ursache Unwucht
  • Es gibt drei Arten von Unwucht: statisch, Moment und dynamisch – jede erfordert ihren eigenen Ansatz
  • Auswuchten kann in der Werkstatt oder vor Ort erfolgen – die Wahl hängt von der konkreten Situation ab
  • Die Auswuchtqualität wird nach ISO 21940-11 (die G-Wuchtgütegrade) bewertet
  • Die Auswuchtkosten sind eine hochrentable Investition mit einer Amortisationszeit von 2 Wochen bis 2 Monaten

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