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Zuletzt geprüft 30. Mai 2026

So wuchten Sie einen Rotor dynamisch in eigenen Lagern mit dem Balanset-1A aus

Dies ist eine ausführliche technische Anleitung für Ingenieure und Instandhaltungsfachleute, die das Rotorauswuchten mit dem tragbaren Gerät Balanset-1A selbst durchführen möchten.

Für wen diese Anleitung gedacht ist:

  • Ingenieure der Hauptmechanikerabteilung
  • Fachleute der Reparaturabteilung
  • Servicetechniker
  • Technische Fachkräfte mit Grundkenntnissen in der Schwingungsdiagnose

Was Sie lernen werden: Das vollständige Auswuchtverfahren von der Vorbereitung bis zur Qualitätskontrolle, einschließlich Sensormontage, 3-Gang-Methode, Berechnung von Korrektionsgewichten und häufiger Fehler.

Wichtig: 80 % eines erfolgreichen Auswuchtens hängen von sorgfältiger Vorbereitung ab. Die meisten Misserfolge haben ihren Grund nicht in einem Gerätefehler, sondern darin, dass Faktoren übersehen wurden, die die Wiederholbarkeit der Messung beeinflussen.

Stufe 1: Vorbereitung des Auswuchtens

Die Grundlage des Erfolgs: Gründliches Reinigen des Rotors, Prüfung des Lager- und Fundamentzustands sowie eine vorläufige Schwingungsdiagnose zum Ausschluss anderer Fehler sind unverzichtbare Voraussetzungen für ein erfolgreiches Auswuchten. Die Vorbereitung bestimmt 80 % des Ergebnisses.

Erste Schwingungsdiagnose (liegt tatsächlich Unwucht vor?)

Nehmen Sie vor dem Auswuchten stets eine Vorabmessung im Vibrometer-Modus (F5) vor:

Prüfung von V1s und V1o vor dem Auswuchten

Abb. 1. Die wichtigste Prüfung: Vergleich der Gesamtschwingung (V1s, V2s) mit der Schwingung bei der Rotationsfrequenz (V1o, V2o)

Diagnoseregel:

  • Wenn V1s ≈ V1o → Die dominierende Schwingungsursache ist Rotorunwucht, und Auswuchten ist wirksam
  • Wenn V1s ≫ V1o → Ein erheblicher Teil der Schwingung wird durch andere Ursachen hervorgerufen (Wellenversatz, Lager, Lockerheit). Auswuchten allein löst das Problem nicht

Mechanische Inspektion (Checkliste)

Rotor:

  • Alle Oberflächen gründlich reinigen, Schmutz, Rost und Ablagerungen entfernen
  • Prüfen, ob keine Bauteile beschädigt oder fehlend sind (Schaufeln, Hämmer)
  • Sicherstellen, dass keine Teile locker sind

Lager:

  • Auf übermäßiges Spiel, ungewöhnliche Geräusche und Überhitzung prüfen
  • Verschlissene Lager mit viel Spiel machen es unmöglich, stabile Messwerte zu erhalten

Fundament und Rahmen:

  • Sicherstellen, dass die Anlage auf einem starren Fundament montiert ist
  • Ankerschrauben auf festen Sitz und fehlende Risse prüfen
  • „Soft Foot" beseitigen (ein Lagerauge liegt nicht bündig am Fundament an)

Stufe 2: Einrichten des Balanset-1A

Montage der Schwingungssensoren

Anordnung für die Montage der Schwingungssensoren und des Tachometers

Abb. 2. Sensormontageanordnung: 1, 2 — Schwingungssensoren an den Lagern, 3 — Lasertachometer, 4 — USB-Einheit, 5 — Laptop

Montagepunkte:

  • An den Lagergehäusen, so nah wie möglich am Lager
  • Für das stärkste Signal – in Richtung maximaler Schwingung (in der Regel horizontal)

Stufe 3: Gang 0 — Ausgangsmessung

Ziel: Den ursprünglichen Schwingungspegel ohne angebrachte Gewichte messen.

Vorgehensweise:

  1. Maschine starten und auf stabile Betriebsdrehzahl hochlaufen lassen
  2. Sicherstellen, dass die Drehzahl konstant ist (nicht schwankt)
  3. In der Software die Schaltfläche „Gang #0" drücken
  4. Das Gerät erfasst Drehzahl, Schwingungsamplitude und Phase
Kritisch: Die Drehzahl muss bei allen nachfolgenden Gängen gleich sein. Selbst eine geringe Drehzahländerung führt zu falschen Berechnungen.

Stufen 4–5: Gang 1 und Gang 2 — Probegewichte

Ziel: Festzustellen, wie das System auf eine bekannte Massenänderung reagiert.

Wahl der Probegewichtmasse

Das Probegewicht muss eine deutliche Schwingungsänderung bewirken:

  • Eine Amplitudenänderung von 20–30 %, ODER
  • Eine Phasenänderung von 20–30°
Faustregel: Wenn Sie nach dem ersten Probegang nur eine geringe Änderung sehen (weniger als 20 %), erhöhen Sie das Probegewicht um den Faktor 1,5–2 und wiederholen Sie die Messung.

Stufe 6: Berechnung und Montage der Korrektionsgewichte

Auf der Grundlage der bei den Probegängen erfassten Vektoränderungen berechnet die Software automatisch die Masse und den Montagewinkel des Korrektionsgewichts für jede Ebene.

Befestigungsmethoden:

  • Schweißen: Kleine Metallplatten werden angeschweißt (zuverlässigste und dauerhafteste Methode)
  • Schraubenverbindung: Wenn Gewindebohrungen vorhanden sind oder gebohrt werden können
  • Spezialklammern: Für bestimmte Rotortypen
  • Masse entfernen: Ausbohren von Löchern (weniger bevorzugt)

Stufe 7: Gang 3 — Kontrollmessung

Nach der Montage der dauerhaften Korrektionsgewichte:

  1. Maschine starten
  2. „RunTrim" drücken
  3. Die Software misst die Restschwingung
  4. Mit der Toleranz nach ISO 1940 vergleichen

Erfolgskriterien:

  • Die Schwingung wurde um den Faktor 5–10 reduziert
  • Die Restunwucht liegt innerhalb der Toleranz
  • Schwingung fällt in Zone A oder B nach ISO 20816

Stufe 8: Häufige Fehler und wie man sie vermeidet

Fehler 1: Auswuchten eines verschmutzten oder defekten Rotors

Das Problem: Versuch, einen Rotor mit angebackenem Schmutz, verschlissenen Lagern oder Spiel auszuwuchten.

Die Abhilfe: Den Maschinenzustand vor dem Auswuchten immer prüfen. Reinigung und Reparatur haben Vorrang.

Fehler 2: Probegewicht zu klein

Das Problem: Das Probegewicht ist zu leicht, und die Schwingung ändert sich um weniger als 20 %.

Die Abhilfe: Das Probegewicht um den Faktor 1,5–2 erhöhen und Gang 1 wiederholen.

Fehler 3: Instabile Drehzahl

Das Problem: Die Drehzahl „wandert" zwischen den Gängen, oder die Maschine läuft nahe der Resonanz.

Die Abhilfe: Drehzahl festlegen (z. B. 1500 U/min für alle Messungen). Wenn die Phase „springt", die Drehzahl um ±10–15 % ändern, um den Resonanzbereich zu verlassen.

Fazit

Die Auswuchtmethode mit dem Balanset-1A, basierend auf der Einflusskoeffizienten-Methode (3-Gang-Methode), ermöglicht ein hochwertiges Rotorauswuchten direkt am Einbauort.

Die wichtigsten Erfolgsprinzipien:

  • Sorgfältige Vorbereitung (80 % des Erfolgs)
  • Richtige Wahl der Probegewichtmasse (20–30 % Schwingungsänderung)
  • Konstante Drehzahl bei allen Gängen
  • Genaue Einhaltung der Methode
  • Überprüfung nach ISO-Normen

Bei Einhaltung der Methode gelingt das Auswuchten in der Regel beim ersten Versuch. Ist das Ergebnis unbefriedigend, zur Diagnose zurückkehren: Das Problem ist möglicherweise keine Unwucht, sondern Wellenversatz, Lager oder Resonanz.

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Schnell-Checkliste

  • Zuerst eine Vorab-Vibrometer-Messung durchfuehren
  • Rotor reinigen und Lager, Fundament, weichen Fuss pruefen
  • Sensoren an Lagergehaeusen nahe dem Lager anbringen
  • Run 0, dann Probemassen in Ebene 1 und 2 durchfuehren
  • Probemasse waehlen, die 20-30 % Amplituden- oder Phasenaenderung ergibt
  • Berechnete Ausgleichsmassen anbringen und mit Run 3 verifizieren
Nächster SchrittSchwingungsdiagnose fuer Einsteiger ansehen oder Vor-Ort-Auswuchtservice anfragen.