Zuletzt geprüft 30. Mai 2026
Auswuchten von Brechern und Mühlen: Arbeiten unter extremen Bedingungen
Die Besonderheiten: Zerkleinerungsanlagen arbeiten unter den anspruchsvollsten Bedingungen — Stoßbelastungen, abrasiver Verschleiß und Materialablagerungen. Das Auswuchten erfordert hier einen besonderen Ansatz.
Einleitung
Brecher und Mühlen gehören zu den anspruchsvollsten Anlagen im Betrieb. Ihre Rotoren arbeiten unter ständigen Stoßbelastungen, leiden unter extremem Abriebverschleiß und sind mit Ablagerungen des verarbeiteten Materials konfrontiert.
Das Hauptproblem: Unwucht ist hier nicht statisch — sie ändert sich ständig, wenn die Arbeitselemente (Hämmer, Schläger, Messer) verschleißen oder ausfallen.
Arten von Zerkleinerungsanlagen
Foto 1. Auswuchten eines Brechers in einem Nestlé-Werk: Vorbereitung der Anlage für die Schwingungsdiagnose und das Auswuchten unter Produktionsbedingungen
1. Hammerbrecher
Bauweise: ein Rotor mit gelenkig aufgehängten Hämmern, die frei auf ihren Achsen schwingen.
Unwuchtprobleme:
- Ungleichmäßiger Hammerverschleiß — einer kann stärker verschleißen als die anderen
- Hammerbruch — ein plötzlicher Masseverlust erzeugt eine starke Unwucht
- Materialablagerungen — feuchtes oder klebriges Produkt haftet ungleichmäßig
2. Prallbrecher und -mühlen
Bauweise: ein Rotor mit starr befestigten Schlägern oder Messern.
Unwuchtprobleme:
- Einseitiger Verschleiß — bei der Verarbeitung von Abrasivstoffen
- Abplatzungen und Risse in den Arbeitselementen
- Metallaufpralle — diese können einen Schläger verbiegen oder brechen
Spezifische Probleme von Zerkleinerungsanlagen
Problem 1: Extremer und ungleichmäßiger Verschleiß
Ursache: Abrasivmaterial (Erz, Kies, Kohle) schleift die Arbeitselemente schnell ab. Der Verschleiß erfolgt ungleichmäßig wegen der Inhomogenität des Materials und des Beschickungsregimes.
Folgen: Die Unwucht wächst schnell. Wenn ein Hammer 5 kg wog und nach einem Monat Betrieb 4,5 kg wiegt, ist das bereits eine ernste Unwucht für den Rotor.
Besonderheiten des Auswuchtens von Brechern
Foto 2. Auswuchten eines Brechers: an den Lagerträgern befestigte Schwingungssensoren während der Messung zur Unwuchtbestimmung
Vorbereitung: entscheidend wichtig!
- Rotorreinigung: ALLES entfernen, was sich angesammelt hat. Schaber, Druckwasser und Druckluft verwenden
- Hämmer/Schläger inspizieren: die Integrität JEDES Elements prüfen. Risse oder Abplatzungen bedeuten Austausch
- Befestigungen prüfen: alle Schrauben festziehen. Brecher arbeiten mit Aufprallen, so dass sich Befestigungen lockern
- Das Fundament: Fundamentschrauben prüfen. Stoßbelastungen können sie lockern
Praktische Empfehlungen
Checkliste vor dem Auswuchten eines Brechers
- Reinigung: Rotor von allem angesammelten Material gereinigt (100 %)
- Inspektion: alle Hämmer/Schläger intakt, keine Risse
- Vollständigkeit: Anzahl der Hämmer entspricht der Konstruktion
- Symmetrie: wenn die Hämmer verschlissen sind, den gesamten Satz durch neue ersetzen
- Rotorbefestigungen: Schrauben angezogen, Keile vorhanden
- Lager: kein Spiel, keine Überhitzung, Schmierung in Ordnung
- Fundament: Fundamentschrauben angezogen, keine Risse
Praxisfall: ein Brecher in einem Betonfertigteilwerk
Die Ausgangssituation
Objekt: ein Hammerbrecher zum Kiesbrechen
Problem: starke Schwingungen (12 mm/s), Lärm, Risse im Fundament
Ursache: 3 von 24 Hämmern gebrochen, die übrigen ungleichmäßig verschlissen
Durchgeführte Arbeiten
- Brecher stoppen, Schutzverkleidungen entfernen
- Rotor inspizieren — 3 gebrochene Hämmer gefunden
- Den GESAMTEN Hammersatz (24 Stück) durch neue ersetzen
- Rotor in eigenen Lagern mit dem Balanset-1A auswuchten
- Fundament verstärken (mit Beton verstärken)
Das Ergebnis
- Schwingungen von 12 auf 2,8 mm/s reduziert (innerhalb der Normgrenzen)
- Lärm um ~15 dB reduziert
- Produktionsleistung um 8 % gesteigert
Die Wirtschaftlichkeit
Kosten:
- Hammersatz (24 Stück): €7.200
- Auswuchten: €1.400
- Fundamentverstärkung: €1.800
- GESAMT: €10.400
Jährlicher Nutzen:
- Vermiedener Stillstand: 15 Tage × €3.200 = €48.000
- Dreifache Lagerlebensdauer: eine Ersparnis von €4.800/Jahr
- 8 % Leistungssteigerung: +€14.000/Jahr Zusatzgewinn
- Gesamtnutzen: €66.800/Jahr
ROI: €66.800 / €10.400 = 6,4× (Amortisation in 2 Monaten)
Fazit
Das Auswuchten von Zerkleinerungsanlagen ist eine Arbeit unter extremen Bedingungen, die einen besonderen Ansatz erfordert. Die Schlüsselprinzipien des Erfolgs sind:
- Sorgfältige Vorbereitung: Reinigung, Inspektion und Ersatz verschlissener Elemente als Satz
- Zuverlässige Befestigungen: Korrektionsgewichte müssen Stoßbelastungen standhalten
- Regelmäßigkeit: nach tatsächlichem Verschleiß auswuchten, nicht nur nach Zeitplan
- Ein ganzheitlicher Ansatz: Schwingung + Fundament + Lager + Antrieb
Mit dem richtigen Ansatz amortisiert sich das Auswuchten eines Brechers in 2–3 Monaten durch vermiedene Ausfallzeiten und verlängerte Lebensdauer der Anlage.
Auswuchten von Zerkleinerungsanlagen
Geräte zum Auswuchten und Fachdienstleistungen
Schnell-Checkliste
- Alle aufgebauten Materialien vom Rotor reinigen
- Jeden Hammer oder Schlaeger auf Risse pruefen
- Verschlissene Haemmer als kompletten Satz ersetzen
- Rotorschrauben anziehen und Keile pruefen
- Lager auf Spiel und Ueberhitzung pruefen
- Fundamentankerbolzen anziehen, auf Risse pruefen